Die Preußen des Frankfurter Polizeichores e.V. feierten im Jahr 2000 ihr 15-jähriges Bestehen. Im Jubiläumsjahr wurden zahlreiche außergewöhnliche Auftritte vor Tausenden von Zuschauern absolviert, so im Fernsehprogramm des Hessischen Rundfunks, in der Frankfurter Jahrhunderthalle, der Selztalhalle und im Rahmen einer Konzertreise in die neuen Bundesländer im Kulturpalast Dresden.

Am Samstag, den 28. Oktober 2000, wurde aus Anlaß des Jubiläumsjahres ein Festakt begangen, der in Form eines Konzerts vor erlesenem Publikum und zahlreichen Ehrengästen den Höhepunkt der Aktivitäten im Jubiläumsjahr darstellen sollte. Für die Preußen des Polizeichores, die mit ihrer Show die einstmaligen Besatzer der freien Reichsstadt Frankfurt auf den Arm nehmen wollen, war der Betsaal der Gutleutkaserne in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs wegen des polithistorischen Bezugs gerade recht.

Das im Inneren komplett entkernte und modernisierte Gebäude birgt mit dem Betsaal einen Veranstaltungsraum, der das Ambiente für eine solch gediegene Feier bieten kann. Mit Blick auf die Skyline Frankfurts erstreckt sich der Betsaal über mehrere Stockwerke des historischen Bauwerks und erlaubt dank einer grandiosen Akustik ein Hörerlebnis, das auf elektronische Verstärkung verzichten kann.
Dominik Heinz, in dessen Händen die künstlerische Gesamtleitung lag, verpflichtete hochkarätige musikalische Gäste, die zusammen mit den Preußen ein abwechslungsreiches Programm boten. Die junge Schauspielerin Claudia Kraus (Abb. rechts) gewann mit viel Charme die Herzen der Zuschauer und führte mit gehaltvollen Moderationen durch das Programm, das von den Preußen in ihren historischen blauen Uniformen mit Säbel und Pickelhaube eröffnet wurde (Abb. oben). Mit der Uraufführung eines von Dominik Heinz komponierten und getexteten Titels "Wir sind die Preußen" stellte man sich musikalisch vor. Es folgte ein musikalischer Streifzug durch das historische Frankfurt und seine Apfelweinwirtschaften.
Kontrastreich ging es weiter mit einem Konzert von Johann Sebastian Bach, das von dem Duo Legrand vorgetragen wurde.

Der Namensgeber ist der virtuose Bassist Thomas Legrand (Abb. links). Das Repertoire reicht von Barock bis Modern. Die Besetzung ist außergewöhnlich: dynamische Klavierklänge (nicht Cembalo) und ein elektrisch verstärkter halbakustischer Konzertbaß verleihen traditionellem Repertoire neue Klangdimensionen.

Die Konzertpianistin Olga Linder ist nicht nur Bestandteil des Duos Legrand, sondern sorgte an diesem Abend auch für die Pianobegleitung der Gesangssolisten im anschließenden Belcantoblock. Es kamen Werke von Donizetti, Catalani und Verdi zur Aufführung.

Olga Linder (Abb. rechts), die in Leningrad studiert, in allen Fächern mit Auszeichnung bestanden hat und nach langjähriger Erfahrung als Pianistin und Korrepetitorin an verschiedenen Musikhochschulen und Konservatorien als Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik in Heidelberg-Mannheim tätig ist, überzeugte durch ihre Technik und Musikalität. Typisch für die russische Klavierschule ist ihr im Handgelenk lockerer Anschlag und ihre hohe Präzision.
Ferner fiel im Zusammenwirken mit den Gesangssolisten besonders ihr ausgezeichnetes musikalisches Einfühlungsvermögen auf.

Der Tenor Peter Fiolka (Abb. links) brillierte mit der bekannten und beliebten Arie "Una furtiva lagrima" aus Donizettis Liebestrank. Er ist bereits in acht Ländern auf den Kontinenten Europa, Afrika und Amerika aufgetreten und verfügt über ein breites Repertoire das vom Kunstlied bis zur Operette reicht.

Die Sopranistin Sabine Rupp (Abb. unten) gab eine besonders lyrische Interpretation der Arie "Ebben, n'andrò lontana" aus La Wally. Sie verfügt über eine sehr klare Stimme, die durch ihre Obertonstruktur tragfähig und zart zugleich ist. Sie ist eine sehr gefragte Solistin im Bereich der geistlichen Musik und beschäftigt sich intensiv mit englischsprachigem Repertoire.

Den Abschluß des Belcantoblocks bildete die Baritonarie "Alzati, là tuo figlio" aus Verdis Maskenball. Sie wurde vorgetragen von Dominik Heinz, der nicht nur Komponist, sondern auch Opernsänger ist.

An sein Kompositionsstudium an Dr. Hoch's Konservatorium in Frankfurt schloß er eine Gesangsausbildung an der Scuola del Belcanto Appiani an.

Die ausgewählte Arie wird häufig bei Gesangswettbewerben zur Aufführung gebracht, da sie hohe Ansprüche im Hinblick auf Stimmumfang, dramatische Ausdruckskraft und lyrische Mezza Voce stellt.

Dominik Heinz (Abb. links) lieferte einen packenden Vortrag, der das Publikum zu Begeisterungsstürmen hinriß. Sein Gesangsvortrag war vor allem gekennzeichnet durch hervorragende Stimmtechnik und präzise körpersprachliche Darstellung des Textes.

Den Abschluß des ersten Teils bildete die Freestyle-Schautanzformation Black Pearls (Abb. rechts), die mit der Trainerin und Choreografin Kirstin Bosch in ihrer Klasse vierte bei den Europameisterschaften 2000 wurden. Die Black Pearls gehören dem 1984 gegründeten Tanzsportclub 1. Griesheimer JTSC e.V. an.

www.jtsc-griesheim.de

Ebenso abwechslungsreich wie der erste Konzertteil gestaltete sich die zweite Hälfte: Das Duo Legrand spielte Jazzbearbeitungen von beliebten Bachstücken, die von dem bekannten Jazzmusiker Jacques Loussier stammen und sich unter dem Titel "Play Bach" mehr als 6 Millionen mal verkauft haben.

Zusammen mit dem Duo Legrand präsentierte anschließend Sabine Rupp (Abb. links) zwei englischsprachige Titel. Die swingenden Rhytmen ließen das Publikum sichtlich mitgehen.

Das Publikum war nun ganz entspannt und bereit für den Auftritt von Claudia Kraus, die einen Sketch von Loriot zur Aufführung brachte und mit ihrem Vortrag nicht nur zum Schmunzeln, sondern sogar zum herausplatzenden Lachen animierte.

Der beim Polizeichorpublikum sehr beliebte Sänger Peter Fiolka trat nun zum zweiten Mal in Erscheinung:

mit beliebten Operettenmelodien begeisterte er das Publikum. Dominik Heinz begleitete ihn am Klavier (Abb. rechts).

Da Dominik Heinz Peter Fiolka schon des öfteren begleitet hat und sich die beiden Musiker quasi blind verstehen, konnte Peter Fiolka seine Vortäge sehr frei gestalten: auf jede sängerische Freiheit, die sich Peter Fiolka nahm, reagierte Dominik Heinz einfühlsam, so dass rhytmische und auch dynamische Synchronität immer gewahrt blieb.

Nach der Darbietung der zweiten Showtanzgruppe Blue Devils (amtierende Hessenmeister im Freestyle-Formationstanz mit Hebefiguren) traten die Preußen in ihren weißen Ausgehuniformen zum letzten Gesangsblock an, um darzustellen, dass Frankfurter Preußen - im Gegensatz zu ihren historischen Vorbildern - nicht nur militärischen Drill kennen, sondern neben ihrer Ader für Gemütlichkeit, was im ersten Teil bereits demonstriert wurde, auch ein großes Herz, Sinn für Humor und vor allem Musikalität besitzen.
Nach dem spritzigen Vortrag einiger bekannter Comedian Harmonists Titel (Abb. rechts), die größtenteils wie auch schon die Frankfurter Lieder im ersten Konzertteil von Dominik Heinz vierstimmig arrangiert wurden, trat der Leiter der Preußen Polizeioberkommissar Jürgen Hölscher vor und bedankte sich zunächst bei einem begeisterten Publikum und den erschienen Ehrengästen.
Stellvertretend für die verhinderte Oberbürgermeisterin überbrachte Frau Ehrenstadträtin Lilly Pölt die Glückwünsche der Stadt Frankfurt. In ihrer kurzen Rede betonte sie die herausragenden Verdienste des Polizeichores und seiner Preußen als Botschafter der Stadt Frankfurt am Main. Jürgen Hölscher dankte allen Mitwirkenden, die sich allesamt noch einmal zum Finale auf der Bühne einfanden (Abb. links).
Einen ganz besonderen Dank richtete er an den Musikalischen Leiter der Preußen, Dominik Heinz, für das künstlerisch hervorragend zusammengestellte Programm. Schließlich marschierten unter den Klängen des Fliegermarsches alle Akteure aus und das Buffet wurde eröffnet (Abb. rechts).

Eine rundum gelungene Jubiläumsveranstaltung ging in den gemütlichen Teil über. Das Konzertprogramm bot abwechslungsreiche Unterhaltung auf hohem künstlerischen Niveau. Von allen Gästen waren nur Worte der Begeisterung zu hören und alle hoffen, auf eine Wiederholung einer solchen Veranstaltung.